Stolpersteinverlegung in Neukölln

Pressemitteilung vom 08.11.2023

Am Mittwoch, den 15. November 2023, werden gegen 12:45 Uhr drei Stolpersteine in der Friedelstraße 7 in das Straßenpflaster von Neukölln eingelassen. Mit diesen Steinen erinnern wir an die jüdische Familie Michaelis. Die Verlegung wird von der Patin der Steine begleitet.

Die Friedelstraße 7 war der letzte freigewählte Wohnort der Familie Michaelis. Hier lebten bis 1941 das Ehepaar Willy und Paula Michaelis, geb. Neustadt, mit ihrem Sohn Lothar.

Willy Michaelis wurde am 10.01.1884 in Köslin (heute Koszalin in Polen) geboren und wuchs in Stettin (heute Szczecin) auf. Anfang des 20. Jahrhunderts zog Willy Michaelis nach Berlin. Paula Neustadt wurde am 24.04.1882 in Küstrin geboren – dem heutigen Kostrzyn nad Odra in Polen. Das Ehepaar zog in die Friedelstraße 7 in Neukölln. Der Sohn Lothar wurde am 16.03.1921 in Berlin geboren. Eingeschult wurde er am 01.04.1927 in die Grundschule. Er besuchte die Friesen-Oberschule – heute Gottfried-Keller-Gymnasium in Charlottenburg. 1935 musste Lothar die Schule wechseln und 1936 die Schule verlassen. Seit Oktober 1941 wohnte die Familie Michaelis – unfreiwillig – in der Cauerstraße 29 in Charlottenburg.

Mit der Großrazzia ab dem 27.02.1943 wurden auch Willy, Paula und Lothar Michaelis verhaftet. Der 27. Februar 1943 ist berüchtigt als Beginn der Aktion zur „Entjudung“ des Territoriums des Deutschen Reiches. Das NS-Regime holte in diesen Tagen zum letzten Schlag gegen die Berliner Jüdinnen und Juden aus. Anfang 1943 waren noch rund 15.100 jüdische Zwangsarbeiter:innen in Berlin registriert. Sie waren vor allem in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Am Morgen des 27.02.1943 wurden über 100 Berliner Betriebe von der Gestapo umstellt. Wer sich entgegenstellte, wurde geschlagen oder gleich niedergeschossen. Die Menschen wurden in verschiedenen Gefangenenlagern in Berlin interniert.

Paula Michaelis wurde vermutlich in der Synagoge in Berlin-Moabit gefangen gehalten. Insgesamt wurden bei dieser Großrazzia in Berlin etwa 11.000 Berliner Jüdinnen und Juden inhaftiert – Willy, Paula und Lothar Michaelis waren drei davon.

Am 3. März 1943 wurde Lothar Michaelis mit dem 33. Transport nach Auschwitz deportiert. Am 4. März 1943 folgten seine Eltern mit dem 34. Transport. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Sie kehrten nie zurück.

Jede und jeder kann einen Stolperstein stiften. Stolpersteine erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt oder ermordet wurden. 120 Euro ermöglichen die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines. Für den Bezirk Neukölln koordiniert das Museum Neukölln die Stolpersteinverlegungen.

Kontakt:
stolpersteine@museum-neukoelln.de , Tel. +49 (0)30 627 277 727.
Weitere Informationen unter www.stolpersteine-berlin.de.